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Redtube: Entpuppt sich die Abmahnwelle als schwere Erpressung?

Im Dezember 2013 hatten viele nicht nur nette Weihnachtspost in ihrem Briefkasten, sondern auch unangenehme Abmahnbriefe. Über 20.000 Redtube-Nutzern wurde eine Urheberrechtsverletzung zur Last gelegt. Nachdem das Landgericht Hamburg in einem Beschluss die bereits ausgesprochenen Abmahnungen für unzulässig erklärte, nimmt der Fall eine immer skurrilere Wendung an. Erst kamen Zweifel an den Sexfilm-Rechten der Abmahner auf, nun wird gegen den Abmahnanwalt wegen schwerer Erpressung ermittelt.

Das Jahr 2013 verabschiedete sich mit einer enormen Abmahnwelle, hinter der die Rechtsanwalts-Kanzlei Urmann + Collegen steckt. Die Kanzei handelt im Auftrag der Schweizer Firma „The Archive AG“ und verschickte Abmahnungen an über 20.000 User des Erotik- und Porno-Streaming-Portals Redtube. Den Betroffenen wird vorgeworfen, durch das Streaming von urheberrechtlich geschütztem Material eine Urheberrechtsverletzung nach §19 UrhG begangen zu haben. In dem Schreiben forderte die Kanzlei von den Abgemahnten 250 Euro für jede Urheberrechtsverletzung sowie eine unterschriebene Unterlassungserklärung – sonst würden U+C weitere rechtliche Schritte einleiten. Bereits nach kurzer Zeit nahm der Fall eine überraschende Wende und Redtube erwirkte beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen The Archive AG, welche es dem Unternehmen aus der Schweiz untersagt, weitere Abmahn-Schreiben zu versenden. Ferner verkündete das LG Hamburg einen Beschluss, in welchem bereits ausgesprochene Abmahnungen für unzulässig erklärt wurden. Doch damit war die Abmahn-Geschichte noch lange nicht zu Ende.

Da die Videodateien beim Streamen lediglich für maximal drei Sekunden im Zwischenspeicher des Computers als Kopie abgelegt werden – was wiederum nach jetzigem Urheberrecht völlig legal ist – ist das Streamen von Filmen im Internet eine rechtliche Grauzone. Auch die Rechtsanwaltskanzlei „Müller Müller Rößner“ teilt diesen Standpunkt und hat im Auftrag ihrer Mandanten Strafanzeige gegen den Anwalt Thomas Urmann „wegen des Verdachts einer Straftat, nämlich der besonders schweren Erpressung oder des besonders schweren Betruges“ gestellt, wie es einer Stellungnahme auf der Webseite der Kanzlei zu entnehmen ist. Falls der Anzeige erfolgreich stattgegeben wird, drohe dem Abmahnanwalt eine Freiheitsstrafe „nicht unter einem Jahr“. Selbst die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Zweifel daran, ob die Abmahnungen legal waren und ermittelt ebenfalls gegen den Geschäftsführer von U + C.

Hatten die Abmahner gar eine Filmrechte an den Pornos?

Doch es geht noch kurioser, denn vor wenigen Tagen kam der Verdacht auf, dass The Archive AG gar keine Rechte an den abgemahnten Filmchen besitzt. So veröffentlichte die Anwaltskanzlei „Werdemann von Rüden“ entsprechende Lizenzverträge, welche die Online-Verwertungsrechte der betreffenden Porno-Filme zum Inhalt haben. Aus diesen geht hervor, dass die Schweizer Firma die Rechte von der Berliner Firma „Hausner Productions“ übernahm. Diese wiederum erhielt die Lizenzen von der spanischen Firma „Serrato Consultores S.L.“ So weit, so gut – vorausgesetzt die Spanier wären die Hersteller der fraglichen Pornofilme, doch genau hier wird es immer dubioser und so stellt sich als eigentlicher Produzent offenbar die US-Firma „Combat Zone“ heraus. Und so erhärtet sich immer mehr der Verdacht, dass die Spanier einfach die Pornostreifen der Amerikaner umbenannt haben und die Nutzungsrechte dann an die Berliner Firma weiterverkauft haben – ganz ohne rechtliche Grundlage.

Falls dies der Fall sein sollte, wäre das ganze Verfahren hinfällig – und somit würden auch die Geldforderungen in Gesamthöhe von 2,5 Millionen Euro ad acta gelegt werden.

[UPDATE:] Mittlerweile ist Urmann nicht mehr als Anwalt tätig und hat die Rechtsanwaltskanzlei zurückgegeben.

 

Über Nicole Winkler

Nicole ist eine der Mitgründerin von TechnologieJunkies. Heimliche Leseratte und Liebhaberin guter Filme und Serien. Mag Animes, Sushi und ist Fan der Kassel Huskies. Interessiert sich für das Gaming und allerlei technische Spielereien. Ursprünglich a bayrisches Madl, lebt und bloggt nun jedoch im schönen Kassel.

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